Jakobswege → Der Camino Portugués Central → Tag 6
Tag 6 · 17 Mai 2023
Ponte de Lima – Rubiães
Ponte de Lima → Rubiães · 18 km

Nach einer ruhigen Nacht im Haus von Maria maschierten wir in frisch gewaschenen Shirts zum Frühstück in Richtung Innenstadt. Nach dem Frühstück ging es dann in ein kleines Sportschuhgeschäft nebenan. Die Wanderschuhe die mich schon über den Caminho Primitivo getragen haben waren definitiv zu eng geworden (oder meine Füße sind gewachsen). Somit war unsere Trennung besiegelt. Der Besitzer des Geschäftes hatte am Vortag leider keine Schuhe in meiner Größe vor Ort (Portugiesen haben kleine Füße…), hatte aber über Nacht Schuhe in der richtigen Größe besorgt. Nun machte das Laufen viel mehr Spaß.
Auf dem Weg nach Rubiães gingen wir über die Ponte de Lima.


Dort steht ein großer Stein mit einem Gruß an alle Pilger.

Da wir noch keinen Stempel bekommen hatten, schauten wir uns natürlich die ganze Zeit nach einer Möglichkeit um einen Carimbo zu bekommen. Dann fiel uns ein kleiner Laden ins Auge vor dem ein älterer Mann eine Glocke schlug. Es war der Laden „Restauro-o-Sexta“ von Manuel Martin, der hier eine lokale Berühmtheit ist und auch schon mehrfach im Fernsehen war (auch auf youtube zu finden).

Auf mich wirkte er wie eine Mischung aus Hippie und Altgrün, aber herzlich und um jeden Pilger bemüht. Ich denke seinem Hauptanliegen alte Möbel aufzuarbeiten oder zu verwerten (er ist Tischler) kommt er nur noch eingeschränkt nach. Nachdem er den Pilgerpass gestempelt hat bat er jeden mit Kreide den „Tages-Pilgerzähler“ zu erhöhen bevor er die Glocke läutete.

Sein Hinweisschild am Laden informierte uns auch darüber, dass wir schon 82 Km geschafft hatten, aber noch 159 Km vor uns lagen. Also gingen wir weiter…
Wieder ging es durch dünn besiedeltes Gebiet, Wiesen und Wälder, vorbei an vielen Bächen und Wasserfällen die zu Pausen einluden.





Gegen Mittag kamen wir dann in der Oasis de Caminho an. Eine Bar mit einer eigenen Fischzucht, geführt von einer älteren Italienerin die eigentlich auch eine Herberge ist, aber nur Übernachtungsplätze in Zelten anbietet. Dort gab es itaienischen Nudelsalat und frischen Salat dazu. Sehr lecker.


Ein paar Kilometer weiter fanden wir dann die Kapelle Senhora das Neves in Codeçal. Daneben „der letzte Supermercado vor der Steigung“. Leider nahmen wir diesen Hinweis nicht ernst und eigentlich müsste dort stehen „letzter Supermercado vor Rubiães“.

Was folgte war eine stundenlange Wanderung über einen 450m hohen Berg, über Steine und kleine Wege. Erst steil bergauf, dann steil bergab.



Keine Kneipe, kein Laden, kein Wasserspender, nichts! Nach 5 Stunden erreichten wir dann ausgetrocknet und völlig erledigt den Stadtrand von Rubiães. Im ersten Café machten wir dann Pause, aßen eine Kleinigkeit und tranken sehr viel Wasser.

Vom Café aus waren es dann noch 2 Km bis zur Pension Casa das Lages wo wir zum letzten Mal in Portugal übernachteten. Doch vorher gab es noch eine kleine Not-Op an Connies Zeh. Eine fiese Blase musste versorgt werden…



Für Conny war diese Etappe die schwerste, aber im Nachgang auch die schönste und beeindruckendste des ganzen Jakobsweges.