JakobswegeDer Camino Portugués Central → Tag 10

Tag 10 · 21 Mai 2023

Redondela – Pontevedra

Redondela → Pontevedra · 20 km

Camino Portugues Central Tag 10

Am Morgen gab es erst einmal ein leckeres Frühstück in der Herberge. Der Herbergsvater hatte alles aufgetischt was man braucht und jeder konnte sich zubereiten und essen was er wollte. Kaffee ohne Ende war auch dabei. Dann ging es los auf die letzten 85 km bis Santiago.

Wie immer ging es durch wunderschöne Natur, durch Wiesen und Wälder. Es war ein sehr angenehmes laufen im Schatten der Bäume. Ab und zu durchquerten wir auch kleine Dörfer. Wie so oft standen auch hier gute Wünsche an die Pilger und Anfeuerungssprüche auf den alten Mauern.

Durch kleine Lücken in den Baumreihen hatte man immer wieder einen Blick auf die Atlantikbuchten, die wir ja umlaufen.

Nach einigen Kilometern erreichten wir dann die Stadt Arcade, wo wir eine kleine Pause einlegten.

Nachdem wir die kleine Stadt Arcade und ihre wunderschönen Gärten passiert hatten, standen wir an der Brücke Ponte Sampaio, die über den Fluss Verdugo führt.

Auf der anderen Seite liegt die Stadt Puente Sampayo (oder Ponte Sampaio auf Galizisch), eine Gemeinde von Pontevedra. Hier fand im Jahr 1809 die Schlacht von Pontesampaio im Spanischen Unabhängigkeitskrieg statt, die die französische Besetzung nach fünf Monaten beendete.
In der Mitte der Brücke beginnt die Gemeinde Pontevedra. Die Strecke führt durch die Ortschaft Ponte Sampaio auf alten und stimmungsvollen Steinstraßen mit einigen Streckenabschnitten der ehemaligen römischen 19. Via Romana.

Was uns immer wieder ins Auge fällt sind die alten spanischen Vorratshäuser die auf Steinsäulen stehen. Diese Vorratshäuser waren früher sehr wichtig um Getreide vor Nagern zu schützen. Da die Säulen etwas weiter innen angebracht sind, hatten Nager keine Chance an das Korn zu kommen und durch die Scheiben am Ende der Säule gab es auch keine Ritze durch die sie nach oben klettren konnten.

Diese Vorratshäuser gibt es in allen Größen. Heute stehen sie aber oft nur noch als Dekoration dort oder werden als Schuppen genutzt.

Wir gehen weiter und stehen nach einer Wanderung durch einen Wald plötzlich vor einer Umleitung. Leider hat auch hier die moderne Zivilisation zugeschlagen. Ein Stück Wald und auch ein Berg mussten einer Autobahn weichen. In Deutschland würde man wahrscheinlich einen Tunnel bauen, in Spanien baut man einfach den Berg in der Mitte ab. Über die so entstandene Schlucht führt nun eine neue Brücke.
Nach der Brücke geht es aber wie gewohnt weiter durch die Wälder.

Ab und zu begleitet uns ein kleiner Fluss der vor sich hinplätschert. Wir kamen dann an eine weitere alte römische Brücke, der Ponte Valentin, deren Namen bei uns wahrscheinlich andere Gedanken auslöst als bei Spaniern.

Wir folgten weiter dem Weg, der sich nun lange Zeit am Fluss entlang windet. Kurz vor Pontevedra kamen wir an einem alten, unbewohnten Haus vorbei, welches mit Jakobswegmotiven verziert war.

Nach weiteren 3 Km erreichten wir den Stadtrand von Pontevedra.
Pontevedra, eine kleine Stadt, galt im Spätmittelalter als einer der wichtigsten Handelshäfen Spaniens. Eine Tatsache, die wir an den prächtigen Gebäuden und Plätzen und den prächtigen Kirchen und Klöstern sehen können. Die Weinberge weichen nun den grünen Kastanienhainen, die die Hügel dieses Teils Galiciens bedecken. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft kamen wir auch an der Igresia Virgen Peregrina vorbei, mit der Maria als Pilgerin verehrt wird. Die Kirche wurde mit dem Grundriss einer Jakobsmuschel errichtet und zeigt immer wieder Maria und Heilige als Pilger.

Ebenfalls in der Altstadt sind eine alte Franziskanerkirche und auch die Real Basilica Menor aus dem 16. Jahrhundert.
Pontevedra ist kein Bischofssitz, sondern gehört zur Diözese Santiago. Es gibt also keine Kathedrale. Vielleicht aus diesem Grund gilt die Kirche, heute die Basilika Santa María, als die Hauptkirche von Pontevedra. Sie befindet sich in der Altstadt von Pontevedra, an der sogenannten Avenida Santa María, genau an der Stelle, an der einst eine kleine romanische Kirche stand, die im 15. Jahrhundert abgerissen wurde .
Der Bau der Basilica wurde von den Erzbischöfen von Santiago de Compostela gefördert und von mehreren Adelsfamilien der Stadt unterstützt. Außerdem verschiedene Gewerkschaftsorganisationen wie die Cofradía do Corpo Santo der Seeleute, die älteste Zivilorganisation in Pontevedra und die älteste Seegilde überhaupt von Spanien, sowie wie die Bruderschaften von San Mauro (Bäcker), San Miguel (registrierte Seeleute) oder die Bruderschaft der Heiligen Dreifaltigkeit (Priester) den Bau.

In einem kleinen Park standen wir plätzlich vor einer Holz-Skulptur. Gerardo, der Elf, zeigt sein Lächeln in den Marescot-Gärten, vor der Fakultät für Bildende Künste und dem Ambulatorium Virxe Peregrina.

Der Holzbildhauer Santiago Castro verwandelte einen gefällten Zedernstumpf in eine über fünf Meter hohe, lächelnde Figur.

Kurz darauf erreichten wir unsere Unterkunft und liessen die Eindrücke auf uns wirken.