Bally · 1979
Kiss

Der Kiss war mit 17000 Maschinen einer der großen Erfolge der Firma Bally. Aber auch er konnte nicht mehr verhindern das Bally auf Platz 2 der Hersteller abrutschte. Zu lange hatte man neue innovative Ideen verschlafen und aus Kostengründen verworfen. Als Williams ebenfalls 1979 mit Gorgar den ersten sprechenden Flipper herausbrachte reagierte das Management von Bally mit Panik. Praktisch in einer Nacht und Nebelaktion wurde für die Chicagoer Spielwarenmesse AMOA einen Kiss-Prototyp mit Sprache gebaut. Man musste auf die Herausforderung Williams reagieren. Dies führte auf der AMOA dazu das der Ruf “GORGAR” auf dem Williams-Messestand mit dem Ruf “KISS” vom Bally-Messestand beantwortet wurde. Leider wurde der KISS aber nie mit dem Sprachmodul ausgeliefert. Während Williams auf der AMOA große Stückzahlen des Gorgar absetzte verschwand der KISS Prototyp wieder im Archiv und es sollte noch fast 2 Jahre dauern bis Bally mit dem Xenon seinen ersten sprechenden Flipper auf den Markt brachte. Den Vorsprung den Williams sich mit den sprechenden Flippern herausgearbeitet hatte sollte Bally aber nie mehr einholen.
Aber auch ohne Sprache ist der KISS einer der schönsten Bally Flipper. Schöne helle Farben und ein offenes Spielfeld tragen zum Spielspaß bei. Sämtliche Spielfeldziele und Kugeldurchläufe sind den Buchstaben K-I-S-S zugeordnet. Mit ihnen baut der Spieler seinen Bonus (maximal 120000 Punkte) auf. Die A-B-C-D-Stand-up Targets auf der rechten Spielfeldseite geben dem Spieler den Doppelbonus du beim zweiten mal einen Extraball. Untermalt wird das Spiel stilgerecht mit KISS-Songs, die Allerdings nur zu Spielanfang und Spielende sowie beim Geldeinwurf ertönen.
Das Motiv des Flippers ist die damalige Kultband KISS, die Ende der 70er Jahre auf dem Höhepunkt ihres Erfolges war. Tom Nieman schaffte es den Kiss Flipper für Bally zu lizenzieren. Die vier großen Bally Designer machten sich anschließend daran den Flipper zu entwerfen. Das Rennen machte schließlich ein Entwurf von Jim Patla, der eigentlich gar nicht für den KISS gedacht war. Jim änderte eigentlich nur den Namen seines Entwurfes. Die Grafiken wurden von Kevin O´Connor entworfen und mussten gerüchteweise einige male geändert werden bis die Bandmitglieder sich ausreichend gut getroffen sahen.
Das Backglas erhielt einen Strobe-Effekt hinter dem KISS-Schriftzug um die Aufmerksamkeit der Spieler auf den Flipper zu lenken. Dafür wurde extra ein zusätzlicher Lampentreiber verbaut. Für den deutschsprachigen Raum musste extra eine andere Glasscheibe gedruckt werden. Man nahm Anstoß am Runen “S” im Name der Band. Die deutsche Backglasversion, welche eigentlich die seltenere ist, besitzt ein abgerundetes normales “S”. Auch die Inserts auf dem Spielfeld wurden ausgetauscht. Dass die Platten der Band allesamt mit dem Runen-S im Namen verkauft wurden sei nur am Rande erwähnt.
In den Spielhallen kam der Flipper jedenfalls so gut an, dass viele Maschinen förmlich “zu Tode gespielt” wurden.
KISS Flipper mit intakter Spielfläche sind deshalb heute nur noch schwer zu finden.
Aus der alten Seite übernommen, von Frank noch nicht gegengelesen.


[Bilder in Originalgröße folgen von Frank: Backglas, Spielfeld, Maschine]